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09.11.2015 erstellt von: Erik (Eru) Frank


Die längste Radtour des Jahres - Saar-Mosel-Rhein

SaarMoselRheinTour

ADFC-Rennradler fahren über 400 Kilometer an einem Tag

100 Kilometer mit dem Rad sind schon eine lange Tagesstrecke. Doch wie ist das eigentlich, wenn man einfach immer weiter fährt: 200, 300, 400 und mehr Kilometer an einem Tag? Ansgar Schiffler und Thomas Fuchs von der ADFC-Rennradgruppe haben es ausprobiert… und geschafft. Hier der Bericht von Thomas:


Schon seit längerem hatten Ansgar und ich geplant, einmal die 400-km-Marke bei einer Rennrad-Tagestour zu knacken. 200 Kilometer hatten wir schon oft bei Radmarathons und eigenen Touren geschafft. Auch die 300 Kilometer wurden dabei schon mal überschritten. Aber vor der 400-Kilometer-Marke hatten wir schon Respekt. Das war schließlich ein Doppelradmarathon.

Bei der Auswahl der Strecke entschieden wir uns für eine flache Route durch die Flusstäler von Saar, Mosel und Rhein. Starten wollten wir in Saarbrücken, das von Wiesbaden/Mainz aus mit der Regionalbahn gut zu erreichen ist. Die Strecken waren uns überwiegend schon bekannt. Insbesondere die Mosel bietet sich für Rennradtouren an. Hier gibt es einerseits einen relativ gut ausgebauten touristischen Radweg und andererseits eine nicht sehr stark befahrene ufernahe Bundesstraße mit breiten Seitenstreifen.

Am 22. Juni 2013 war es soweit. Nach kurzer Nachtruhe starteten wir um 3.30 Uhr in Saarbrücken zu unserer langen Tour an Saar (ca.100 km), Mosel (ca. 200 km) und Rhein (ca. 100 km). Die erste Stunde fuhren wir noch in der Dunkelheit mit Lampen auf dem Saarradweg, der bis Merzig auch gut ausgebaut ist. Zunächst ging es flott voran. Doch nach Merzig wurden die Wege schlechter. Und plötzlich schlug der Pannenteufel zu. Auf einer Strecke von nur knapp 10 Kilometern zwischen Merzig und Mettlach hatten wir drei platte Reifen zu verzeichnen. Die Reparaturen (Schlauchwechsel) kosteten Zeit und brachten uns aus dem Rhythmus. Außerdem hatten wir nur vier Ersatzschläuche dabei und schon drei verbraucht. So langsam kam eine fatale Stimmung auf. In Saarburg machten wir einen kurzen Stopp und kauften vorsorglich neue Ersatzschläuche. Glücklicherweise lief die weitere Tour ohne Panne und sonstige technische Probleme.

An der Saarmündung bei Konz hatten wir die ersten 100 Kilometer geschafft. Weiter ging es nun an der Mosel. Hier fuhren wir überwiegend auf der Bundesstraße und konnten ordentlich Tempo treten. Für anschauliche Betrachtungen der Landschaft oder einen Besuch der schönen Moselstädte blieb uns leider keine Zeit, denn wer über 400 Kilometer an einem Tag fahren will, muss sich beeilen. Verpflegung hatten wir uns immer direkt an Tankstellen und Supermärkten besorgt, die am Weg lagen. Der Energie- und Flüssigkeitsbedarf bei einer solchen Tour ist beachtlich. Neben Powerriegeln zählten süße Snickers und salzige Tuc-Kekse zu den bevorzugten Speisen.

Bei Bernkastel-Kues hatten wir die 200-Kilometer-Marke erreicht. Bei Langstreckenfahrten über 200 Kilometer liegt die Herausforderung nicht nur bei der Ausdauer, sondern man muss auch die orthopädischen Belastungen aushalten können. Eine 400-Kilometer-Tour dauert von der reinen Fahrtzeit (ohne Pausen) rund 15-16 Stunden. Während dieser Zeit muss der Körper in der eingeschränkten Rennrad-Sitzposition ununterbrochen mit hoher Intensität arbeiten. Irgendwann beginnen die kleinen „Leiden“. Die Handgelenke und der Nacken schmerzen, die Schulter zwickt, das Hinterteil tut weh usw. Um locker zu bleiben, haben wir während der Fahrt auf dem Rad regelmäßig ein paar Streckübungen mit Armen, Beinen und Schultern absolviert.

Kurz vor Koblenz erschienen dann die 300 Kilometer auf dem Tacho. Bis dahin hatten wir noch einen Gesamtschnitt von 26,0 km/h. Nach einer Pause am Deutschen Eck ging es auf den letzten Abschnitt entlang des Rheins bis nach Mainz. Auf der B 9 kamen wir gut voran. Ab Bingen fuhren wir die letzten 30 Kilometer auf dem Radweg durch die Rheinauen. Als wir schließlich kurz nach 23 Uhr durch Mainz-Mombach rollten, zeigte der Tacho endlich die angestrebten 400 Kilometer an. Auf den Weg nachhause kamen sowohl bei mir als auch bei Ansgar noch ein paar Kilometer hinzu. Ansgar drehte sogar noch eine Cool Down-Runde und kam am Ende auf 424 Kilometer.

Fazit: Die Tour hat trotz der Strapazen viel Spaß gemacht. Und es ist nicht auszuschließen, dass wir im nächsten Jahr eine ähnliche Herausforderung in Angriff nehmen. Eine sportliche Steigerung könnte z.B. darin liegen, die 500 Kilometer-Marke mit dem Rennrad innerhalb einer Gesamtzeit von 24 Stunden (incl. Pausen) zu schaffen.


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