Kopfbild-Monat-November
05.08.2019 erstellt von: Ansgar Schiffler


Rennrad-Wochenende in Hameln am 3. + 4. August 2019

Hameln-Rennradwochenende: Am Zusammenfluss von Fulda und Werra

Mal eine ganz andere schöne Gegend mit den Rennrad erkundigen?
Das war unsere Idee und als Ziel haben wir Hameln an der Weser ausgesucht. Für Samstag war geplant, die Weser flussabwärts nach Norden zu erradeln und am Sonntag dann flussaufwärts nach Süden.
Wir waren zu dritt: Markus, Thomas und ich (Ansgar).


Begonnen hat es erst mal mit einer langen Zugfahrt, die dann noch mal viel länger wurde. Ich bin in Mainz-Kastel eingestiegen, Markus und Thomas waren schon zuvor in Wiesbaden eingestiegen. Unser Gefühl war: jetzt geht’s los in eine tolles Wochenende. Aber nichts da, der Zug fuhr einfach nicht los. Der Grund war eine komplette Sperrung des Frankfurter Hauptbahnhofs. Diebe hatten versucht, die Schließfächer einer Bank aufzubrechen und einer der Bande war anschließend auf der Flucht vor der Polizei in den Frankfurter Hauptbahnhof reingelaufen. Unser Zug stand also fast eine Stunde in Kastel. Das war schon mal nicht der Start, wie wir es uns vorgestellt hatten. Als wir dann am Frankfurter Hauptbahnhof ankamen, herrschte noch immer viel Durcheinander und uns wurde klar, dass wir wohl erst mit dem letzten Zug um 23:16 h in Hameln ankommen würden, statt fünfeinhalb Stunden Zugfahrt wurde es siebeneinhalb Stunden. Irre lang, sollte man meinen. Aber in netter Gesellschaft und mit etwas zu lesen, verging die Zeit dann doch überraschend schnell. Schon in Kassel regnete es, im verlassenen Altenbeken ebenfalls und wir dachte: Bis wir ankommen, wird der Regen aufgehört haben. Dem war aber nicht so: bei strömendem Regen sind wir im Dunkeln die 1,7 km vom Bahnhof zum Hotel durch die leeren Straßen von Hameln gefahren.
Wir haben da entschieden, am nächsten Morgen erst mal gemütlich zu frühstücken und erst um 9 Uhr loszufahren. Das Wetter war nahezu perfekt: am ganzen Tag gerade mal zwei kurze Regenschauer, die Sonne kam ab und zu raus und es waren angenehme 20 Grad. Und wir haben schnell gemerkt, in einer schönen Ecke von Norddeutschland gelandet zu sein: viele kleine Dörfer mit uralten, riesigen Hofgütern, ganz viele Häuser aus roten Klinker und ab und an mal eine alte Windmühle. Es gab so viel Schönes zu sehen, dass wir vor lauter links und rechts gucken, auch aufpassen mussten, hin und wieder auch mal nach vorne zu schauen. Zum Weserradweg hatten wir ja im Internet sehr genau Informationen gefunden, also wo der Weg welchen Belag hat: Asphalt, Schotter oder Naturpfad etc. Da dachten wir im Vorfeld: hoffentlich ist der Weg auch komplett rennradtauglich. Nun ja, unsere Bedenken waren unnötig. Nur in manchen Dörfern gab es Kopfsteinpflaster-Passagen, die aber viel zu kurz waren, um ein wenig Paris-Roubaix-Feeling aufkommen zu lassen.
Unsere erste Pause haben wir in Minden eingelegt: eine richtig schöne Stadt, für NRW-Verhältnisse eher eine Kleinstadt, aber mit 84.000 Einwohner tatsächlich recht groß. Dort in der Fußgängerzone sind ein paar wenige Hare Krishna-Anhänger an uns singend vorbeigelaufen. Wir dachten eigentlich, sie seien schon ausgestorben. Markus hat das so inspiriert, dass er den Rest des Tages immer mal wieder auf dem Rad den eingängigen Mantra-Singsang angestimmt hat und ab und zu hat auch Thomas mit eingestimmt. So ging es also ganz entspannt weiter bis wir wieder in Niedersachsen waren, genauer gesagt in Stolzenau, kurz vor Niendorf. Bei leckerem Eis hatten wir dort unsere zweite Pause nach 106 km. Die Frage war dann: weiterfahren bis Verden an der Aller und dann zwei Stunden mit den Zug zurück nach Hameln oder hier umkehren und diese schöne Strecke ein zweites Mal erleben. Wir haben uns für Option zwei entschieden, auch um diesmal nicht so spät in Hameln anzukommen. So ging es ein zweites Mal an der Porta Westfalica vorbei und ein zweites Mal quer über das Festivalgelände von Festivalkult Vlotho: mit unseren Rennrädern habe wir uns durch tausende eher dunkel gekleidete mal mehr mal weniger zugedröhnte Festivalbesucher geschlängelt. So waren wir dann gegen 20 Uhr nach 212 km zurück in Hameln, haben noch lecker Pizza gegessen und anschließend konnte ich auf meinen Zimmer noch live die beiden Dortmunder Tore gegen Bayern München im Supercup sehen.
Gut ausgeschlafen ging es am Tag 2 dann früher los und zwar um 6:30 h, ausgestattet mit Lunch-Paketen. Diesmal hat es überhaupt nicht geregnet und es war überwiegend sonnig und am Nachmittag waren es gut 25 Grad, angenehm warm, aber zum Glück überhaupt nicht heiß. Jetzt tauchten auch immer öfter mal keine Berge links und rechts der Weser auf. Auch hier – wie schon am ersten Tag – haben wir viele schöne alte Fachwerkhäuser zu Gesicht bekommen. Gefrühstückt haben wir in Holzminden, unterwegs haben wir einen kurzen Blick auf das riesige Schlosskloster Corvey bei Höxter geworfen, immerhin ein Weltkulturerbe, das mal unzählige Benediktinermönche beherbergte. Schon kurz vor 14 Uhr waren wir nach 140 km im wunderbar malerischen Hann. Münden angekommen und hier endete die Weser. Bis Kassel waren s nur noch 27 km, also was nun? Erst mal haben wir wieder Eis gegessen und sind dann 17 km die Werra flussaufwärts gefahren. Da ist es besonders einsam, uns sind lediglich recht viele Radfahrer begegnet: also Natur pur, aber mit einem Wermutstropfen. Dort haben wir fast noch öfter tote Bäume gesehen als entlang der Weser oder später entlang der Fulda. Auf der gesamten Tour waren es gut und gerne zehntausend abgestorbene Bäume als Mahnmal, dass der Klimawandel eben keine Zukunftsmusik ist, sondern schon längst bittere Realität. Und woanders sieht es ja nicht besser aus: wer im Taunus rund um Bad Schwalbach und Lindschied die abgestorbenen Bäume zählen wollte, wäre ewig beschäftigt. Zurück in Hann. Münden haben wir dann noch einen Abstecher zum Weserstein gemacht. Dort fließen Fulda und Werra zusammen, die Fulda ist breiter, die Werra fließt schneller, es ist nicht so einfach zu sagen, welcher Fluss mehr Wasser liefert. Tatsächlich liefert die Fulda im Schnitt 4 Millionen Liter Wasser pro Minute und die Werra „nur“ drei Millionen Liter Wasser pro Minute. Letztlich büßen alle beide ihren Namen ein und dort beginnt die Weser.
Wir hatten noch über zwei Stunden Zeit für die noch verbleibenden 27 km entlang der Fulda nach Kassel, wo um 18:23 h der Regionalexpress nach Frankfurt auf uns wartete. Dieser Streckenabschnitt war noch mal besonders schön: viel Wald, oft bis ans Ufer, alles wirkte sehr malerisch und ganz und gar nicht so als könnte sich in der Nähe eine Großstadt befinden. Die Rückfahrt war dann richtig flott ohne irgendwelche Pannen und kurz nach 21 waren wir wieder zurück.
Wir hatten diese Tour relativ kurzfristig angekündigt, viele wären gerne mit dabei gewesen, hatten aber schon andere Termine. Daher planen wir, dies nächstes Jahr wieder anzubieten, dann mit einem halben Jahr Vorlauf und zwei Gruppen: eine sportlichere mit gut 200 km pro Tag und eine „gemütlichere“ mit ungefähr 130 km pro Tag.
Wir sind am Samstag 212 km mit einem Nettoschnitt von 24,6 km/ h und einem Bruttoschnitt von 19,7 km/h gefahren und am Sonntag 204 km mit einem Nettoschnitt von 24,7 km/h und einem Bruttoschnitt von 18,3 km/h.
Wir möchten das nächstes Jahr wieder anbieten. Hoffentlich wirst du dann auch mit dabei sein. Wir freuen uns darauf, euch diesen so schönen Teil Deutschlands zu zeigen.




Bildergalerie

HamelnRennradwochenende_BeginnWeserHameln-Rennradwochenende:   Blick auf die WeserHameln-Rennradwochenende: wir drei vor einer der vielen WindmühlenHameln-Rennradwochenende: auf dem Marktplatz von Hann. Münden

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