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Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Wiesbaden / Rheingau Taunus e.V.

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ADFC Wiesbaden / Rheingau-Taunus e.V.

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Von: Michele Fleckenstein am 19. Januar 2026
Die Wörthstrasse ist übersichtlich und bei Tempo 20 können Radfahrer im Gegenverkehr leicht wahrgenommen werden | © Elke Tegeler
Die Wörthstrasse ist übersichtlich und bei Tempo 20 können Radfahrer im Gegenverkehr leicht wahrgenommen werden | © Elke Tegeler

ADFC Wiesbaden/Rheingau-Taunus fordert:  Wörthstraße in Eltville muss für den Radverkehr in Gegenrichtung offen bleiben

Wiesbaden, 19.01.2026 – Der ADFC Wiesbaden/Rheingau-Taunus kritisiert, dass die Freigabe der Wörthstraße für den Radverkehr in Gegenrichtung aufgehoben wurde und fordert die Stadt Eltville auf, die Maßnahme umgehend rückgängig zu machen. Die Wörthstrasse ist für viele Radfahrer eine wichtige Direktverbindung zwischen Altstadt und nördlichen Stadtteilen. Warum eine seit Jahren funktionierende und sichere Radverkehrsführung eingeschränkt wurde, ist nicht nachvollziehbar..
Einbahnstraßen sind grundsätzlich für den Radverkehr in Gegenrichtung freizugeben: Rechtlich wurde aus der früheren „Kann“-Regelung eine „Soll“-Vorschrift; Abweichungen sind nach einem Erlass des hessischen Verkehrsministeriums nur in begründeten atypischen Fällen zulässig. Durch diese Änderung sollen die Straßenverkehrsbehörden zur vermehrten Freigabe von Einbahnstraßen veranlasst werden. Die Stadt Eltville macht genau das Gegenteil.


Verkehrsführung in der Wörthstraße hat sich bewährt
Die Wörthstraße ist übersichtlich, weist nur wenig Verkehr auf und wird weder von Bussen noch von LKW befahren. Durch die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h bewegen sich alle Verkehrsteilnehmenden langsam, und seit Einführung der Freigabe ist kein Unfall mit gegenläufigem Radverkehr bekannt geworden. Es gibt daher keinerlei sachliche Gründe, die Öffnung zurückzunehmen.


Elke Tegeler, Vorstandsmitglied des ADFC Wiesbaden/Rheingau-Taunus, betont: „Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die gegenseitige Rücksichtnahme zwischen Radfahrern und Autofahrern in der Wörthstraße prima funktioniert hat. Dank Tempo 20 fühlt man sich als Radfahrer sicher und kann dem Gegenverkehr leicht ausweichen.“


Das vom Magistrat vorgebrachte Argument der fehlenden Begegnungsbreite hält der ADFC für nicht überzeugend. Eine verbindliche Mindestbreite ist nicht vorgeschrieben, und vor Ort bestehen ausreichend Ausweichmöglichkeiten. Sollten dennoch Anpassungen gewünscht sein, könnten markierte Parkflächen oder Bodenmarkierungen die Situation verbessern – ohne den Radverkehr einzuschränken.

Studien belegen positive Effekte auf die Verkehrssicherheit
Nach Angaben des Hessischen Verkehrsministeriums zeigen umfangreiche Untersuchungen, dass geöffnete Einbahnstraßen im Vergleich zu nicht freigegebenen weder häufiger zu Unfällen führen noch ein erhöhtes Risiko darstellen. Vielmehr wirken sie sich tendenziell positiv auf die Verkehrssicherheit und den Verkehrsablauf aus. Auch eine Untersuchung des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft aus dem Jahr 2016 bestätigt diese Einschätzung: Die Öffnung von Einbahnstraßen für den Radverkehr verläuft demnach in der Regel problemlos, sodass zusätzliche Maßnahmen nicht erforderlich sind – vorausgesetzt, die Vorgaben der Verwaltungsvorschrift zur Straßenverkehrsordnung werden eingehalten.
Bürger sprechen sich für die Öffnung von Einbahnstraßen für den Radverkehr in Gegenrichtung aus
Die bestehende Beschränkung für Radfahrende steht im Widerspruch zu einer zeitgemäßen Stadtentwicklung und den Erwartungen der Bevölkerung. Bereits bei der Bürgerbeteiligung zur Mobilität im Rheingau-Taunus-Kreis im März 2020 gehörte die Freigabe von Einbahnstraßen in Eltville zu den vier am häufigsten genannten Maßnahmen. Nach der Umsetzung spiegelte sich dies auch im ADFC-Fahrradklimatest 2020 wider: Die geöffneten Einbahnstraßen wurden positiv bewertet und klar als Fortschritt wahrgenommen. Zudem zeigt die Auswertung des im Auftrag der Stadt Eltville erstellten Nahmobilitäts-Checks, dass freigegebene Einbahnstraßen als eine Stärke der Stadt gelten. Dort wird außerdem betont, dass der Vorrang des fließenden Verkehrs von Fußgängern und Radfahrenden gegenüber dem ruhenden Kfz-Verkehr ein zentraler Ansatz zur Verbesserung der Nahmobilität ist.

Negative Folgen der Schließung
Der ADFC warnt vor unerwünschten Nebenwirkungen: Radfahrende sind umwegempfindlich und werden voraussichtlich weiterhin entgegen der Einbahnrichtung fahren oder auf Gehwege ausweichen. Solche Regelverstöße sind zwar nicht akzeptabel, aber erwartbar – und sie verschlechtern die Verkehrssicherheit statt sie zu erhöhen.
Der ADFC fordert die Stadt Eltville daher auf, die Freigabe der Wörthstraße für den Radverkehr in beiden Richtungen unverzüglich wiederherzustellen.

Über den ADFC
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit mehr als 240.000 Mitgliedern die größte Interessenvertretung der Radfahrerenden in Deutschland und weltweit. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs.