Die Ampel über die B42 und der Weg auf den Bahndamm | © Elke Tegeler
ADFC begrüßt Fortschritt beim Radweg Rüdesheim – weist jedoch auf verbleibende Sicherheitsdefizite hin
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Wiesbaden/Rheingau-Taunus nimmt die von Hessen Mobil am 30.07.2026 veröffentlichte Mitteilung zur Verkehrsfreigabe des rund 300 Meter langen Geh- und Radwegprovisoriums bei Rüdesheim positiv zur Kenntnis. Der neue Abschnitt ist Teil des rechtsrheinischen EuroVelo 15 (Rheinradweg) im UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal.
Der ADFC würdigt ausdrücklich, dass nach einer unverständlich langen und komplexen Planungsphase nun ein weiterer Schritt erfolgt ist, der die Situation für Radfahrende verbessert. Gleichzeitig sieht der Verband weiterhin Handlungsbedarf, um die Strecke sicher und attraktiv zu gestalten.
Provisorium auf dem Bahndamm – Fortschritt mit Einschränkungen
Das neue Provisorium verläuft nicht wie der übrige Radweg Richtung Lorch rheinseitig entlang der B42, sondern auf dem Bahndamm und erfordert von Radfahrenden zwei Ampelquerungen der Bundesstraße. Von Lorch kommend endet der Weg auf Höhe des alten Stellwerks wieder an der B42.
Der ADFC sieht darin einen wichtigen Zwischenschritt, weist jedoch darauf hin, dass die aktuelle Lösung noch nicht den Anforderungen an eine dauerhaft sichere Radverkehrsführung entspricht.
O-Ton aus der Region: Sicherheit bleibt zentrale Herausforderung
Kai Menze, ADFC-Mitglied aus Frankfurt und langjähriger Kenner der Strecke, hat sich mehrfach an den ADFC gewandt und beschreibt die Situation eindrücklich:
„Die Gestaltung der Bordsteinkantenüberbrückung ist ein grausames Flickwerk. Ich frage mich, wie lange das bestehen bleiben wird.“
Er verweist zudem auf die Unfalllage:
„Ich bin als Bikepacker häufig im Rheingau unterwegs und verfolge die Situation hier seit längerer Zeit genau. Diese Stelle ist für Radfahrende sehr gefährlich, die Polizei verzeichnete nach Angaben der Hessenschau im Bereich rund um das Radwegende an der B 42 in den vergangenen zwei Jahren (2023-2025) acht Unfälle mit fünf Verletzten. Ich kann mich nur wundern, dass jetzt keine bessere Lösung gefunden wurde.“
Der ADFC nimmt diese Hinweise sehr ernst. Elke Tegeler, Vorstandsmitglied des ADFC Wiesbaden / Rheingau-Taunus, war vor Ort und hat sich die Situation genau angesehen. Sie meint:
„Das enge Rheintal ist verkehrsplanerisch herausfordernd. Eine perfekte Lösung wird es an dieser komplizierten Stelle nicht geben. Weitere Verbesserungen sind aber kurzfristig notwendig, damit das hier eine akzeptable Lösung noch im Ferienmonat August mit den vielen Radtouristen wird.“
Gemeinsame Nutzung der B 42 – Eng, unübersichtlich, hohes Risiko
Zwischen dem alten Stellwerk bis zum Adlerturm über eine Distanz von knapp einem Kilometer müssen Radfahrende und motorisierter Verkehr die Rheinstraße (B 42) weiterhin gemeinsam nutzen.
Gerade im Sommer und an Wochenenden sind hier viele Familien mit Kindern unterwegs. Ein Ausweichen auf einen Bürgersteig ist nicht möglich. Die Straße ist eng, die Sicht eingeschränkt, und Überholvorgänge sind riskant.
ADFC-Forderungen für eine sichere und attraktive Lösung
a) Rheinseitiger, barrierefreier Rad- und Fußweg bis zum Hafenpark
Der ADFC fordert, vom aktuellen Ende des Rad- und Fußweges bis zum Hafenpark einen breiten, barrierefreien Rad- und Fußweg auf der Rheinseite der Gleise zu schaffen. Diese Maßnahme sollte priorisiert und beschleunigt werden, damit spätestens zur Bundesgartenschau 2029 eine hochwertige, sichere und touristisch attraktive Verbindung besteht.
b) Sofortige Sicherheitsmaßnahmen für das bestehende Provisorium
Bis zur endgültigen Fertigstellung sind kurzfristige Verbesserungen notwendig:
- Tempolimit 30 km/h auf allen Abschnitten, auf denen Radfahrende und motorisierter Verkehr die B 42 gemeinsam nutzen – insbesondere zwischen altem Stellwerk und Bahnübergang.
- Regelmäßige Kontrolle der Einhaltung des Tempolimits durch Polizei oder Ordnungsbehörden.
- Überholverbot für mehrspurige Kfz gegenüber Radfahrern (einspurigen Fahrzeugen), um gefährliche Überholmanöver zu verhindern.
ADFC: „Ein guter Anfang – aber noch kein sicheres Gesamtbild“
Der ADFC Wiesbaden/Rheingau-Taunus betont: Der jetzt eröffnete Abschnitt ist ein Fortschritt, doch die Region verdient eine Lösung, die dem UNESCO-Welterbe und der Bedeutung des Rheinradwegs gerecht wird.
Über den ADFC
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) ist mit mehr als 240.000 Mitgliedern die größte Interessenvertretung der Radfahrerenden in Deutschland und weltweit. Er berät in allen Fragen rund ums Fahrrad. Politisch engagiert sich der ADFC auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für die konsequente Förderung des Radverkehrs.

























